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Zum Abschluss des Akademievorhabens »Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte«


Zum Jahresende 2012 ist das Akademievorhaben »Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte« nach 20 Jahren Förderzeit regulär ausgelaufen. Projektleiter war bis zu seinem Tod im Mai 2010 das Ordentliche Mitglied Helmar Junghans, dem Armin Kohnle im selben Jahr in diesem Amt nachgefolgt ist. Angesichts der geringen Restlaufzeit von etwas mehr als zwei Jahren konnte die Aufgabe nur sein, dafür zu sorgen, dass der bittere Verlust des bis zu seinem letzten Tag engagierten Projektleiters Junghans nicht zu einer Verzögerung der Editionstätigkeit führt.


Das Akademievorhaben »Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte« war ein klassisches Akteneditionsprojekt, das auf drei Säulen 
stand:


1. Edition der politischen Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen;


2. Edition der Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen;


3. Kritische Edition der Werke Thomas Müntzers.


Die ersten beiden Säulen führten bereits begonnene Editionen zu Ende. Das Müntzer-Projekt wurde neu begonnen, die Planungen reichten aber bis in die 1980er Jahre zurück. 1992 wurden diese thematisch mehr oder weniger verwandten Teilprojekte unter einem Dach zu einem Akademievorhaben zusammengefasst. Dabei konnte man auf Vorarbeiten aufbauen, die unter ­Federführung der Historischen Kommission in den Jahrzehnten zuvor geleistet worden waren. 


Begonnen wurde mit der Herausgabe der Moritz-Korrespondenz. Die Edition ging zurück auf eine Anregung des Leipziger Historikers Erich Brandenburg (1868–1946), der in den Jahren 1900 und 1904 zwei Bände zum Druck gebracht hatte. Unter dem Dach der Historischen Kommission bzw. der Sächsischen Akademie war die Bearbeitung seit 1956 fortgesetzt worden. Bearbeiter waren unter anderen Johannes Hermann, Günther Wartenberg und am Ende Christian Winter. Im Jahr 2006 wurde dieses Teilprojekt mit Band 6 abge-
schlossen.


Nach dem Abschluss der Moritz-Edition wurde die Ausgabe der »Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs« in Angriff genommen. Zwei Bände aus den Jahren 1905 und 1917 lagen, bearbeitet von Felician Geß, im Druck schon vor. Elisabeth Werl hatte bereits Vorarbeiten für eine Fortsetzung in Angriff genommen, faktisch musste man jedoch 2006 neu ansetzen. Das ­Erscheinen des 3. Bandes, bearbeitet von Heiko Jadatz und Christian Winter, im Jahr 2010 hat Helmar Junghans nicht mehr erlebt. Mit Band 4 wurde auch diese Edition pünktlich zum Jahresende 2012 abgeschlossen.


Im Unterschied zu den Säulen 1 und 2 gab es für die Neuedition der Werke und der Korrespondenz Thomas Müntzers nie eine feste Stelle eines wissenschaftlichen Bearbeiters. Dieses Teilprojekt beruhte ganz und gar auf dem ehrenamtlichen Engagement der Kollegen Wieland Held, Siegfried Hoyer, Siegfried Bräuer und Manfred Kobuch. Entsprechend verwickelt ist die Edi­tionsgeschichte, die mit Band 3 im Jahr 2004, der Quellen zu Thomas Müntzer enthält, ein erstes Ergebnis vorlegte. Über der Bearbeitung von Band 2 (Korres­pondenz) ist Helmar Junghans gestorben. Nicht nur dieser Todesfall war für das Fortschreiten der Edition ein schwerer Schlag, sondern 2008 starb auch Gottfried Seebaß in Heidelberg, der den 1. Band (Müntzers Schriften) zusammen mit Eike Wolgast (Heidelberg) maßgeblich bearbeiten sollte.


Von den genannten drei Teilprojekten des Akademievorhabens bleibt das Müntzer-Projekt als einziges im Augenblick unabgeschlossen. Zum fehlenden 1. Band gibt es zwar umfangreiche Vorarbeiten, doch fehlt bis zur Druckreife der Texte ca. ein Jahr an Bearbeitungszeit durch einen hauptamtlichen Editor. Ein Förderantrag zum Abschluss der Edition wurde gestellt. Angesichts der Bedeutung dieses Projekts ist es sehr erfreulich, dass die Edition kein Torso bleibt und der Antrag inzwischen von der Fritz Thyssen Stiftung bewilligt 
wurde.


Neben den Editionen entstand eine stattliche Anzahl begleitender Pub­likationen. Eine Tagung, die noch von Helmar Junghans geplant worden war, 
ist Anfang 2011 durchgeführt worden. Die Beiträge sollen 2013 im Druck ­erscheinen.


Auch wenn der Titel etwas anderes suggerieren könnte, sind die drei genannten Editionsprojekte weit mehr als bloße Materialsammlungen zur sächsischen Territorialgeschichte. Herzog Georg der Bärtige und Kurfürst Moritz zählten zu den bedeutendsten Fürstengestalten der Reformationszeit. In ihren Briefen und Akten spiegelt sich auch die allgemeine Reichs- und Reforma­tionsgeschichte. Auch Thomas Müntzer ist nur in zweiter Linie eine Gestalt der sächsischen Geschichte. Er war nicht nur eine Figur der allgemeinen Reformationsgeschichte, sondern seit dem 19. Jahrhundert eine der am kontroversesten diskutierten Gestalten der Reformationszeit überhaupt.


Die Edition der kirchenpolitischen Akten Herzog Georgs ist ein Unikum in der deutschen Forschungslandschaft. Es gibt keinen zweiten gegen die Reformation agierenden Fürsten der ersten Generation, der in seinen Motiven und Handlungen durch eine Quellenedition in ähnlicher Weise erschlossen wäre. Der weiteren Forschung steht jetzt ein einzigartiges Material zur Verfügung, das nicht nur für das Studium der Anfänge der Gegenreformation und der altgläubigen Reformbemühungen, sondern auch für Fragestellungen der Frömmigkeitsgeschichte, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie der sächsisch-thüringischen Landes- und Lokalgeschichte von höchstem Wert ist. Einzigartig für die Reformationszeit ist auch die politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz. Zwar gibt es einige wenige ähnliche Projekte für andere Fürsten, die aber nicht die eigentliche Reformationszeit betreffen und in der Vollständigkeit der Materialerfassung weit zurückbleiben. Die Thomas-Müntzer-Edition will zugleich eine Synthese der umfassenden Müntzer-Forschung bieten und eine solide Basis für ein historisch-kritisches Müntzer-Bild jenseits propagandistischer Verzerrungen 
liefern.


Die Bedeutung historischer Grundlagenforschung auch für die heutige Zeit ist mit den drei genannten Editionen eindrücklich unterstrichen worden. Eine digitale Präsentation der Texte soll in den kommenden Jahren folgen. Nach dem Reformationsgegner Georg und dem Reformationsfürsten der zweiten Generation Moritz müssen (auch im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017) nun, aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre, dringend die eigentlichen Reformationsfürsten ernestinischer Linie bearbeitet werden: Luthers Landesherr Friedrich der Weise und der erste evangelische Kurfürst Johann. Ein entsprechender Förderantrag im Akademienprogramm ist auf ­gutem Wege.


Das Akademievorhaben »Quellen und Forschungen zur sächsischen Ge
schichte« im Überblick:


1. Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen


  • Band 1: Bis zum Ende des Jahres 1543 / hrsg. von Erich Brandenburg. Leipzig 1900. Nachdruck Berlin 1982.

  • Band 2: Bis zum Ende des Jahres 1546 / hrsg. von Erich Brandenburg. Leipzig 1904. Nachdruck Berlin 1983.

  • Band 3: 1. Januar 1547 – 25. Mai 1548 / hrsg. von der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Bearb. von Johannes Herrmann und Günther Wartenberg. Berlin 1978.

  • Band 4: 26. Mai 1548 – 8. Januar 1551 / hrsg. von der Historischen Kommission der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Bearb. von Johannes Herrmann und Günther Wartenberg. Berlin 1992.

  • Band 5: 9. Januar 1551 – 1. Mai 1552 / hrsg. von der Historischen Kommission bei der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Bearb. von Johannes Herrmann, Günther Wartenberg und Christian Winter. Berlin 1998.

  • Band 6: 2. Mai 1552 – 11. Juli 1553 mit ergänzenden Dokumenten zum Tod des Kurfürsten / bearb. von Johannes Herrmann, Günther Wartenberg und Christian Winter. Berlin 2006.


2. Akten und Briefe zur Kirchenpolitik Herzog Georgs von Sachsen


  • Band 1: 1517 – 1524 / bearb. von Felician Geß. Leipzig; Berlin 1905. Nachdruck Köln; Wien; Leipzig 1985.

  • Band 2: 1525 – 1527 / bearb. von Felician Geß. Leipzig; Berlin 1917. Nachdruck Köln; Wien; Leipzig 1985.

  • Band 3: 1528 – 1534 / bearb. von Heiko Jadatz und Christian Winter. Köln; Weimar; Wien 2010.

  • Band 4: 1535 – 1539 / bearb. von Heiko Jadatz und Christian Winter. Köln; Weimar; Wien 2012.


3. Thomas-Müntzer-Ausgabe: Kritische Gesamtausgabe


  • Band 1: Schriften und Fragmente; in Bearbeitung.

  • Band 2: Thomas Müntzer: Briefwechsel / bearb. von Siegfried Bräuer und Manfred Kobuch. Leipzig 2010. 

  • Band 3: Quellen zu Thomas Müntzer / bearb. von Wieland Held und Siegfried Hoyer. Leipzig 2004.

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Heft 10 (2013)
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1867-7061

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