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Musik zu »Athalia« von Racine MWV M 16. Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Serie V, Band 9.

Herausgegeben von Armin Koch, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden etc. 2010, XXXII + 442 S.

Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte seine Musik zu Jean Racines Tragödie Athalie – wie die zu Antigone op. 55 MWV M 12, zum Sommernachtstraum op. 61 MWV M 13 und zu Ödipus in Kolonos MWV M 14 – im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. In den vergangenen Jahren ist die Musik zu »Athalia« von Racine MWV M 16, die bisher eher im Schatten der anderen Schauspielmusiken Mendelssohns stand, durch Aufführungen und Einspielungen etwas bekannter geworden. Kaum bekannt ist jedoch, dass unter anderem eine deutlich abweichende vollständige Frühfassung des Werks mit Frauenstimmen und Klavierbegleitung überliefert ist, die Mendelssohn wohl Ende Mai 1843 dem König in Berlin vorstellte. Danach erarbeitete er die Partitur für Solostimmen, gemischten Chor und Orchester und komponierte einen Schlusschor hinzu. Die Entstehungsgeschichte des Werks ist geprägt durch chaotische Vorbereitungen am Berliner Hof, da mehrfach Aufführungen kurzfristig an- und wieder abgesetzt wurden. Bis zur Uraufführung des Werks vergingen noch fast drei Jahre. Mendelssohn nutzte dies für teilweise starke Revisionen, wodurch mindestens vier Fassungen entstanden, die jedoch nicht aufgeführt wurden und sich nicht vollständig kohärent rekonstruieren lassen. Immerhin zeugen davon drei verworfene Versionen des Schlusschors. Sie konnten anhand verschiedener Quellen nachvollzogen und dokumentiert werden. Im Zuge der Revisionen straffte Mendelssohn den musikalischen Ablauf und änderte an einigen Stellen die Begleitung sowie melodische Verläufe. Später komponierte er die instrumentalen Sätze Ouvertüre und Kriegsmarsch der Priester hinzu.

Für die Edition im Rahmen der Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy konnte eine Reihe bislang unbekannter und wenig beachteter Quellen berücksichtigt werden, die insbesondere die Genese der Komposition erhellen. Während der Vorbereitung wurde beispielsweise eine zuvor in unbekanntem Privatbesitz befindliche Quelle zugänglich und konnte zur Präzisierung vor allem der Textverteilung genutzt werden.

Die Quellenstudien zeigten, dass Mendelssohn den gesungenen deutschen Text offenbar selbst entwickelt hat und nicht, wie bislang angenommen, eine Übersetzung von Ernst Raupach verwendete. Inwieweit sich Mendelssohn dabei auf eine von ihm nachweislich in Auftrag gegebene weitere Übersetzung stützte, ist ungeklärt, da über deren Inhalt und Verbleib nichts bekannt ist.

In kaum einem anderen Kompositionsautograph Mendelssohns finden sich vergleichbar viele Eintragungen von fremder Hand. Deren Autorisierung durch den Komponisten konnte aufgrund der verwickelten Entstehungsgeschichte anfangs nicht ausgeschlossen werden. Durch die Quellenvergleiche erwiesen sie sich jedoch größtenteils als postum erfolgt. Diese Bewertung war nicht zuletzt durch eine von Mendelssohn durchgesehene Abschrift möglich, eine Quelle, die sich jedoch in anderen Punkten als problematisch erwies.

Der neu vorgelegte Band präsentiert Mendelssohns Musik zu »Athalia« von Racine erstmals ohne die für die postume Erstausgabe vorgenommenen Änderungen (vor allem einige Blechbläser-Passagen betreffend) und die noch darüber hinausgehenden Eingriffe, die für die alte Werkausgabe erfolgten (insbesondere hinsichtlich der Textunterlegung). Ergänzend dokumentieren die ausführliche Einleitung, der Kritische Bericht, detaillierte Textvergleiche sowie ein Anhang mit umfangreichem Skizzen- und Entwurfsmaterial die Werkgeschichte und bieten zusammen mit den bereits im Supplementband V/9A vorgelegten früheren Stadien faszinierende Einblicke in die Kompositionswerkstatt Mendelssohns.

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Heft 5 (2010)
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ISSN:
1867-7061

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